Vom ersten E-Lkw zum elektrischen Fuhrpark: Exkursion zu Beuerlein
Wie gelingt eine wirtschaftliche Elektrifizierung bei schweren Nutzfahrzeugen? Der Unternehmensbesuch zeigte Chancen und Herausforderungen auf.
Die Energie- bzw. Antriebswende im Verkehrssektor gilt als eine der größten Herausforderungen der aktuell laufenden Transformationsbemühungen. Wie dieser Wandel in der Praxis gelingen kann, zeigte die Fachexkursion „Vom ersten E-Lkw zum elektrischen Fuhrpark“ am 27. Juli 2026 bei der Firma Beuerlein, welche von der ENERGIEregion Nürnberg e.V. in Kooperation mit der Metropolregion Nürnberg im Rahmen des Projekts RegioStrat durchgeführt wurde. Das Familienunternehmen aus der Baubranche gewährte den Teilnehmenden einen umfassenden Einblick in seine Elektrifizierungsstrategie – von den ersten batterieelektrischen Lkw bis hin zur Verknüpfung mit einer intelligenten Lade- und Energieinfrastruktur.
Schritt für Schritt zum elektrischen Fuhrpark
Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer Steffen Beuerlein und Thomas Lutz, Leiter E-Mobilität, wurde der bisherige Transformationspfad vorgestellt. Beuerlein verfügt heute über einen Fuhrpark mit rund 35 Fahrzeugen und etwa 100 Baumaschinen. Bereits elektrifiziert sind sechs E-Lkw – jeweils von Volvo, MAN und Mercedes-Benz – sowie vier batterieelektrische Radlader aus chinesischer Herstellung. Besonders die elektrisch betriebenen Radlader haben sich im täglichen Einsatz bewährt. Gerade bei stationären Anwendungen seien sie nicht nur technisch zuverlässig, sondern auch wirtschaftlich überzeugend. Eine Herausforderung sind die langen Reaktionszeiten beim Kundenservice der europäischen Hersteller im Vergleich zu den chinesischen.
Eigene Energieversorgung schafft Unabhängigkeit
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die konsequente Verzahnung von Mobilität und eigener Energieversorgung. Das Unternehmen betreibt eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 3,6 Megawatt sowie einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 4 Megawattstunden. Der Speicher dient ausschließlich der Zwischenspeicherung von selbst erzeugtem Grünstrom ohne Netzbezug.
An inzwischen vier Standorten wurde Ladeinfrastruktur aufgebaut. Neben leistungsstarken Schnellladestationen mit bis zu 400 Kilowatt stehen auch AC-Ladepunkte für das nächtliche Laden zur Verfügung. Besonders das Schnellladen erhöht die betriebliche Flexibilität erheblich: Während einer rund 30-minütigen Pause können die Fahrzeuge ausreichend Energie nachladen und anschließend ihre Tour fortsetzen.
Beeindruckende finanzielle Einsparungen im Betriebsalltag
Welche Auswirkungen die Umstellung bereits heute hat, verdeutlichen die Betriebszahlen: Die elektrischen Fahrzeuge legen jährlich rund 700.000 Kilometer zurück. Dadurch spart das Unternehmen etwa 350.000 Liter Diesel pro Jahr ein – das entspricht einem Kraftstoffwert von rund einer halben Million Euro beziehungsweise dem Inhalt von etwa zehn Tanklastzügen.
Fazit: Erst Sektorenkopplung macht Fahrzeugelektrifizierung richtig lukrativ
Im anschließenden Rundgang über das Betriebsgelände konnten die Teilnehmenden die Ladeinfrastruktur sowie das intelligente Lastmanagement im laufenden Betrieb kennenlernen und beobachten, wie ankommende Lkw in den Ladeprozess integriert werden.
Die Exkursion machte deutlich, dass die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen weit über die Anschaffung neuer Fahrzeuge hinausgeht. Erst die Sektorenkopplung, also das Zusammenspiel aus erneuerbarer Energieerzeugung, Batteriespeichern, intelligenter Ladeinfrastruktur und angepassten Betriebsprozessen, ermöglicht einen wirtschaftlichen und praxistauglichen Betrieb!
Die Exkursion war Teil der Veranstaltungsreihe «Mobilität & Energie im eigenen Unternehmen verbinden: Wissen. Praxis. Austausch.» und wurde durch die ENERGIEregion Nürnberg e.V. in Zusammenarbeit mit der Europäischen Metropolregion Nürnberg organisiert. Gefördert wird die Veranstaltungsreihe im Rahmen des Projekts «RegioStrat» durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der der IHK Nürnberg für Mittelfranken und der Handwerkskammer für Mittelfranken statt.