Newsletter


Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiert.

Newsletter abmelden

Silber-Label für Exzellentes Clustermanagement



Gestalter der Energiewende 2014



Mitglied bei

go-cluster: Exzellent vernetzt



Geoinformationssysteme als Erfolgsfaktor für die Energiewende

Ein Nachbericht zur Dialog- und Impulsveranstaltung der ENERGIEregion Nürnberg e.V. am 21. Oktober 2019.

Manuela Burkert (DVAG e.V.), Ralf Deuerling (Energievision Franken), Florian Simetsreiter (Esri Deutschland), Simon Reichenwallner (ENERGIEregion Nürnberg), Stefan Geist (Main-Donau-Netzgesellschaft) (v.l.n.r.); Foto: ENERGIEregion Nürnberg / Dirscherl

Für eine erfolgreiche und nachhaltige Energiewende müssen sich Kommunen, Stadtwerke und Unternehmen heute nicht nur mit ökonomischen, gesellschaftlichen und ökologischen Fragestellungen auseinandersetzen, sondern auch viele geographische Aspekte in ihrer Planung und Umsetzung berücksichtigen. Leistungsstarke Geoinformationssysteme und geodatenbasierte Tools ermöglichen solche ganzheitlichen Betrachtungen. Dies war Anlass für die ENERGIEregion Nürnberg e.V. gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Angewandte Geographie e.V. und mit Unterstützung durch das Wirtschaftsreferat Nürnberg, den VDE Nordbayern, die NIK e.V., den Energie Campus Nürnberg und das Zentrum Digitalisierung.Bayern am 21. Oktober 2019 die Dialog- und Impulsveranstaltung „Energie.Digital: Geoinformationssysteme als Erfolgsfaktor für die Energiewende“ durchzuführen.

Nach der Begrüßung durch Moderator Simon Reichenwallner, Netzwerkmanager der ENERGIEregion Nürnberg e.V., eröffnete Prof. Dr. Georg Glasze, Lehrstuhlinhaber für Kulturgeographie an der Universität Erlangen-Nürnberg, den Referentenreigen mit einem Wissens-Impuls zum Boom von Geodaten im digitalen Zeitalter. In seiner Einführung brachte er den rund 40 Teilnehmer*innen aus ganz Bayern die Entstehung und den kritischen Umgang von und mit Big Geospatial Data, also großen digitalen Datenmengen mit geographischem Bezugspunkt, näher. Es wurde schnell klar, dass insbesondere die automatisierte Erstellung von Geodaten, z.B. über IP-Adressen oder Sensoren, sowie die durch Crowdsourcing gesammelten Datenmengen rasant zunehmen. Der vielfache Versuch hieraus ein Abbild der Wirklichkeit zu erstellen ist jedoch kritisch zu hinterfragen. Denn erstens sind viele Daten nicht oder nur eingeschränkt zugänglich und zweitens stellen sie, je nach Quelle und Zielstellung, ein verzerrtes, selektives Bild dar. Als Ausblick verwies Georg Glasze auf die wichtige Rolle der geographischen Forschung in diesem Bereich. So wurde am Erlanger Institut für Geographie gerade eine neue Professur für Digitale Geographie eingerichtet.

Auf dieser Wissensbasis setzte Florian Simetsreiter, Account Manager Local Authorities bei Esri Deutschland GmbH, mit seinem Technologie-Impuls an. Anhand von Kundenbeispielen und Live-Demonstrationen zeigte er den interessierten Zuhörern die großen Potentiale von Geoinformationssystemen für Unternehmen und kommunale Akteure auf: So sind GIS-Planungstools für den raum- und sozialverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien sowie von Stromtrassen unverzichtbar geworden, da die Auswahl einer geeigneten Technologie auf die geographischen Bedingungen und die gesellschaftlichen Belange vor Ort angepasst werden muss. Und in 3D-Stadtmodellen mit integrierten Solarkatastern kann der Lichteinfall zu bestimmten Jahres- und Tageszeiten simuliert werden, um zu prüfen, ob sich Dachflächen in einem Ort für Solaranlagen eignen. Abschließend verwies Florian Simetsreiter noch auf den derzeitigen Trend der künstlichen Intelligenz, welchen Esri auch für Geoinformationssysteme im Blick hat, um die intelligente Datenvernetzung und -analyse voranzubringen.

Nach einer Networking-Pause standen noch zwei Praxis-Impulse von Unternehmen aus der Metropolregion Nürnberg auf dem Programm. Ralf Deuerling, Teamleiter Energie- und Klimaschutzkonzepte bei der Energievision Franken GmbH, erläuterte den GIS-Einsatz für die Erstellung energetischer Quartierskonzepte. So können, nach vorbereitenden Analysen zu Gebäudevolumina, Bestimmung des Baualters und Sanierungsstands sowie der Berechnung des Energiebedarfs der Gebäude, Wärmebedarfsdichtekarten erstellt und schließlich auch die Planung eines Wärmenetzes vorgenommen werden. Aus der Verschneidung von Energieverbrauchskennwerten und dem aktuellen Sanierungsstand können zudem Gebiete in einem Quartier identifiziert werden, welche einen besonders hohen Sanierungsbedarf aufweisen.

Stefan Geist von der MDN Main-Donau Netzgesellschaft mbH beleuchtete schließlich noch, wie der tägliche Einsatz von GIS bei einem Betreiber von Versorgungsnetzen aussieht. Im Rahmen der Digitalisierung des Planwerks für die Sparten Gas, Strom, Wasser, Fernwärme und Kommunikation wurde „GIS vom Kosten- zum Erfolgsfaktor“. Heute sind die meist unterirdischen Versorgungsnetze komplett digital dokumentiert und können auf unterschiedliche Weisen analysiert werden. Kritische Konstellationen können über Koordinaten identifiziert und gezielte Maßnahmen ergriffen werden. Die Visualisierung der Versorgungsnetze hilft aber auch den betreuten Kommunen bei der Bearbeitung von Bauanfragen oder der Baustellenplanung. Für die nahe Zukunft sieht Stefan Geist unter anderem auch in der Augmented Reality-Technologie große Potentiale für den vor-Ort-Einsatz von GIS-Tools.

Als Fazit der interdisziplinären Veranstaltung kann festgehalten werden, dass Geoinformationssysteme zwar ein gängiges und sehr effizientes Instrument darstellen, um Planungs- und Entscheidungsprozesse im Rahmen der Energiewende nachhaltig zu verbessern, aber zum Erfolgsfaktor werden sie erst, wenn die Entscheider auch dementsprechend handeln!

zurück


Kompetenzinitiative für Energie & Umwelt in der

Europäische Metropolregion Nürnberg